Nadja Klier: 1988 – Wilde Jugend

Inhalt:

„Nadja ist in Ost-Berlin aufgewachsen. Zwei Tage nach ihrem 15. Geburts­tag wird sie mit ihrer Familie aus politischen Gründen ausgebürgert. Über Nacht verliert sie ihr Zuhause, ihre beste Freundin und ihren Lebensalltag. In West-Berlin versucht sie Anschluss an ein neues Leben zu finden, ihre Heimat auf der anderen Seite der Mauer bleibt jedoch immer in Sicht­weite. Dann, knappe zwei Jahre später, ist die Grenze auf einmal offen. Nadja Klier verarbeitet ihre Ausbürgerung aus der DDR 1988 und die damit verbundene Entwurzelung mit viel Gefühl zu einer Geschichte vom Erwachsenwerden zwischen zwei Welten, die eigentlich eine sein müssten.zwischen zwei Welten, die eigentlich eine sein müssten.“

Besprechung:

Als meine Mutter abgeholt wurde, ist was kaputtgegangen“ – so die Autorin in einem Interview beim RBB.

Es ist ein Schlüssel-Erlebnis im Leben der Autorin. In ihrem Buch  „1988-Wilde Jugend“ schildert sie ihr Leben als Teenager in der DDR (Ostberlin) in den Jahren 1986 bis zu ihrer Ausbürgerung 1988 und ihr Leben in Westberlin bis zum „Mauerfall“ im November 1989.

Nadja Klier findet eine eigene und auch eigenwillige Sprache, mit der sie recht anschaulich und lebendig erzählt, wie Jugendliche in dem Unrechtsstaat DDR überlebt haben. Es ist in der Tat ein ehrliches Buch (DIE ZEIT), weil es die Leser/innen hinein nimmt in das Leben Jugendlicher im Alter zwischen 13 und 18 Jahren in einem Staat, der es für nötig erachtet hat, seine Bevölkerung einzusperren, „einzumauern“. Und der zum eigenen Machterhalt und zum eigenen Überleben Kinder und Jugendliche von ihren Eltern getrennt hat, indem die Väter oder die Mütter eingesperrt wurden – z.B. Hohenschönhausen.

Es ist ein Erinnerungsbuch. Dies zu betonen ist wichtig, da die Autorin nicht allwissend oder besserwissend aus heutiger Sicht erzählt, sondern aus ihrem Erleben der Jahre 1986 bis 1989. Sie erlebt die Brüche in ihrem persönlichen Leben (Pubertät, Verliebtsein, Liebeskummer, Freundschaften, Trennungen etc.) und die Brüche einer Gesellschaft und eines Staatswesen, die ihren Erhalt der Lüge und dem täglichen Unrecht gegenüber der eigenen Bevölkerung verdanken.

Wie das Buch von Peter Richter „89/90“ und wie das von Bastienne Voss „Grünauge sieht dich“ (s. frühere Besprechungen hier im Blog) ist „1988-Wilde Jugend“ ein wichtiges Buch, das ich nur empfehlen kann. Es verarbeitet deutsche Geschichte unmittelbar vor der Wende nicht aus distanzierter, wissenschaftlicher Sicht, sondern aus dem Erleben und der Sicht der Menschen, die diese Jahre persönlich, z.B. als Jugendliche, erlebt haben.

 

Über Bernhard

Historiker und Theologe. Seit einem Jahr bin ich in Rente. Ich liebe Bücher, besonders historische Romane und gute Krimis, aber auch Romane und Erzählungen von Autoren wie Robert Seethaler oder Maarten t'Hardt; bin begeisterter Fahrradfahrer (Tourenbike); reise gerne; Fan von gut geführten Buchhandlungen s. Links)
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